Arachidonsäure
Auch: AA, ARA
Arachidonsäure, abgekürzt AA oder ARA, ist eine Omega-6-Fettsäure und Bestandteil von Zellmembranen. Aus ihr entstehen verschiedene Signalstoffe, die auch an Entzündung und deren Regulation beteiligt sind. Ihr Blutanteil ergänzt das Fettsäureprofil, zeigt aber keine Entzündung direkt an und lässt sich nicht pauschal als schädlich oder günstig bewerten. 1
Der Wert gehört zum Zusatzpaket Omegabalance, das du zur NOA-Mitgliedschaft dazubuchen kannst. Im Arztgespräch wird er zusammen mit deinen übrigen Werten eingeordnet.
Auf dieser Seite
- Was misst Arachidonsäure?
- Was kann ein erhöhter Wert bedeuten?
- Was kann ein niedriger Wert bedeuten?
- Referenzbereiche und Einordnung
- Im Zusammenhang lesen
- Was die Forschung dazu zeigt
- Warum reicht die Einteilung in entzündlich und entzündungshemmend nicht aus?
- Ein Blick in die Forschung
- Was den Wert beeinflusst
- Vor der Messung beachten
- Bei NOA
- Häufige Fragen
- Quellen
Was misst Arachidonsäure?
Der Körper nimmt Arachidonsäure über Lebensmittel auf und kann sie aus Linolsäure bilden. Sie wird in Membranen eingebaut und bei Bedarf für Signalwege freigesetzt.
Diese Signalwege haben unterschiedliche Aufgaben. Eine Blutkonzentration beschreibt deshalb nicht einfach eine entzündungsfördernde Gesamtwirkung. 1
Was kann ein erhöhter Wert bedeuten?
Ein höherer relativer Anteil kann durch Ernährung, Umwandlungsprozesse oder Veränderungen anderer Fettsäuren entstehen. Große gepoolte Kohortenanalysen zeigen keine einfache Gleichsetzung mit höherem Gefäßrisiko. Ein hoher AA-Anteil ist daher kein alleiniger Nachweis einer stillen Entzündung. 1
Was kann ein niedriger Wert bedeuten?
Ein niedrigerer Anteil kann mit dem übrigen Fettsäuremuster und der individuellen Verarbeitung zusammenhängen. Eine isolierte klinische Mangeldiagnose lässt sich daraus gewöhnlich nicht stellen. Ebenso wenig folgt daraus automatisch ein Vorteil für Entzündungsprozesse. 1
Referenzbereiche und Einordnung
Welche Zahl ist üblich? Die Tabellen zeigen veröffentlichte Vergleichsbereiche für die jeweils genannte Untersuchung. Das sind Orientierungsbeispiele aus den genannten Quellen, keine bestätigten Referenzbereiche des NOA-Partnerlabors. Kinder, Schwangerschaft und Hormonbehandlungen benötigen eigene Vergleichswerte.
Labor-Referenzbereich – absolute Konzentrationen im Serum
| Messgröße und Situation | Vergleichswert | Probenmaterial | Quelle |
|---|---|---|---|
| Arachidonsäure — Laborbereich; keine weitere Alters-/Geschlechtsaufteilung publiziert | 160–420 mg/L | Serum | MVZ Dr. Eberhard & Partner Dortmund |
Die Tabelle lässt sich seitlich scrollen.
Die Zahlen gelten ausschließlich für die absolute Konzentration im Serum, gemessen mit LC-MS/MS. Zeigt dein Befund stattdessen einen Prozentanteil, passt diese Tabelle nicht. Auch Bereiche für Erythrozyten sind nicht auf diesen Serumtest übertragbar.
Ein Referenzbereich ist keine persönliche Gesundheitsgrenze. Ein Ergebnis innerhalb des Bereichs schließt nicht jede Erkrankung aus. Eine Abweichung ist allein noch keine Diagnose. Für den Vergleich deines Ergebnisses zählt der passende Bereich auf deinem Laborbefund; für die Einordnung zählen auch Verlauf, Beschwerden und Begleitwerte.
Genetisch geprägte Umwandlung, Ernährung und die Bezugsgröße des Profils beeinflussen Arachidonsäure. Erythrozyten liefern eine längerfristige Information über ungefähr drei bis vier Monate, andere Blutfraktionen andere Zeitfenster. Quotienten müssen immer mit den beiden Einzelanteilen gelesen werden. NOA ordnet Arachidonsäure im Verlauf und im Zusammenhang mit den unten verlinkten Begleitwerten ein. 1
Mehr dazu: Warum Referenzwerte allein nicht ausreichen.
Im Zusammenhang lesen
| Marker | Was er zeigt | Wann er hilft | Wichtige Grenze |
|---|---|---|---|
| Arachidonsäure | Omega-6-Fettsäure für Membranen und Botenstoffe | Wie ist diese Fettsäure im gesamten Profil vertreten? | Ein hoher Anteil beweist keine erhöhte Entzündungsaktivität. 1 |
| Omega-3-Test im Vergleich | Bei NOA der gemeinsame EPA- und DHA-Anteil im Serumprofil | Wie verändert sich der Anteil bei gleicher Messgrundlage? | Nicht mit dem klassischen Erythrozyten-Index gleichzusetzen. 2 |
| EPA im Vergleich | Einzelanteil beziehungsweise Konzentration von EPA | Welchen Beitrag leistet EPA zum Omega-3-Profil? | Kein direkter Entzündungstest und kein Nachweis eines Supplementnutzens. 2 |
| DHA im Vergleich | Einzelanteil beziehungsweise Konzentration von DHA | Welchen Beitrag leistet DHA neben EPA? | Aus dem Blutanteil folgt keine Aussage über Denk- oder Gedächtnisleistung. 2 |
Die Tabelle lässt sich seitlich scrollen.
- Linolsäure ergänzend lesen Linolsäure ist eine essenzielle Omega-6-Fettsäure.
- CRP-Wert ergänzend lesen CRP ergänzt die Frage nach einer begleitenden Entzündungsreaktion.
- Alpha-Linolensäure ergänzend lesen ALA ist eine pflanzliche Omega-3-Vorstufe.
Den Überblick über das Thema findest du unter Omega-3-Test.
Was die Forschung dazu zeigt
Eine gepoolte Kohortenanalyse fand keine pauschal ungünstige Beziehung von Arachidonsäure zu kardiovaskulären Ereignissen. Eine systematische Übersicht zu Omega-6-Biomarkern differenzierte ebenfalls nach Einzelfettsäuren.
Die vereinfachte Bezeichnung als grundsätzlich entzündungsfördernd wird der Evidenz deshalb nicht gerecht. Blutanteil und tatsächliche Aktivität einzelner Signalstoffe bleiben unterschiedliche Größen. 1[3]
Warum reicht die Einteilung in entzündlich und entzündungshemmend nicht aus?
Aus Arachidonsäure können verschiedene biologisch aktive Stoffe entstehen. Die gemessene Ausgangsmenge zeigt jedoch nicht direkt, welche Signalwege in welchem Gewebe gerade aktiv sind.
Ein Blutanteil ist deshalb keine umfassende Entzündungsmessung. Die einfache Etikettierung als grundsätzlich ungünstige Fettsäure wäre zu weitgehend. 1[3][4]
Auch Beobachtungsstudien beschreiben kein einheitlich negatives Bild für jeden gesundheitlichen Endpunkt. Einzelne Omega-6-Fettsäuren müssen getrennt betrachtet werden.
Die gemeinsame chemische Gruppe bedeutet nicht identische Wirkungen. Ihre Interpretation hängt zusätzlich vom untersuchten Material ab. 1[3][4]
Der AA/EPA-Quotient wird kleiner, wenn EPA steigt, wenn Arachidonsäure fällt oder wenn beides geschieht. Diese Konstellationen sind nicht automatisch biologisch gleichwertig.
Die Einzelanteile bleiben deshalb wichtig. Aus einer Verhältnisänderung allein lässt sich keine gesicherte Veränderung einer Entzündung ableiten. 1[3][4]
CRP beantwortet eine andere Frage und kann den klinischen Entzündungskontext ergänzen. Es ersetzt die Fettsäuremessung nicht, macht aber die unterschiedlichen Aussageebenen deutlich. Ein gemeinsamer Befund wird deshalb ohne pauschale Bewertung einer ganzen Fettsäuregruppe gelesen. 1[3][4]
Ein Blick in die Forschung
„increased intake of ARA or LA does not increase the concentrations of many inflammatory markers.“
Deutsche Übersetzung des Auszugs: „Eine erhöhte Aufnahme von Arachidonsäure oder Linolsäure erhöht die Konzentrationen vieler Entzündungsmarker nicht.“
Innes et al. (2018), Prostaglandins, leukotrienes, and essential fatty acids. 5
Der Review bezieht diese Aussage auf Studien an gesunden Erwachsenen. Sie widerspricht der pauschalen Vorstellung, mehr Omega-6 bedeute zwangsläufig mehr Entzündung. 5
Was den Wert beeinflusst
Die Gesamtqualität der Ernährung ist aussagekräftiger als der Versuch, eine einzelne Omega-6-Fettsäure möglichst weit zu senken. Linolsäurezufuhr und körpereigene Umwandlung sind nicht identisch. Aus einer Laborzahl folgt daher keine pauschale Empfehlung, alle omega-6-haltigen Lebensmittel zu meiden. 1
Für NOA beschreibt die Plattform ein Serumprofil. Vergleiche mit roten Blutkörperchen benötigen deshalb eine gesonderte methodische Einordnung. 6
Vor der Messung beachten
Dokumentiere größere Ernährungsänderungen und Omega-3-Präparate, weil sie relative Anteile verändern können. Für Kontrollen sollte dieselbe Probenmaterial verwendet werden. Beachte die Vorgaben des Labors zur Nüchternheit. 1
Bei NOA
Arachidonsäure wird im Zusatzpanel Omegabalance gemessen. Die Biomarker-Übersicht zeigt den Zusammenhang; über NOA kennenlernen kannst du starten.
Häufige Fragen
Welcher Wert ist bei Arachidonsäure normal?
Genetisch geprägte Umwandlung, Ernährung und die Bezugsgröße des Profils beeinflussen Arachidonsäure. Erythrozyten liefern eine längerfristige Information über ungefähr drei bis vier Monate, andere Blutfraktionen andere Zeitfenster. 1
Ist Arachidonsäure grundsätzlich entzündungsfördernd?
Aus Arachidonsäure entstehen Signalstoffe mit unterschiedlichen Wirkungen. Ein Blutanteil misst nicht deren gesamte Aktivität. Die pauschale Einordnung als reine Entzündungsfettsäure greift daher zu kurz. 1
Was muss ich vor der Messung von Arachidonsäure beachten?
Dokumentiere größere Ernährungsänderungen und Omega-3-Präparate, weil sie relative Anteile verändern können. Für Kontrollen sollte dieselbe Probenmaterial verwendet werden. 1
Quellen
- Marklund et al. (2019). Biomarkers of Dietary Omega-6 Fatty Acids and Incident Cardiovascular Disease and Mortality. Circulation. PMID 30971107. DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.118.038908.
- Schuchardt et al. (2024). Omega-3 world map: 2024 update. Progress in lipid research. PMID 38879135. DOI 10.1016/j.plipres.2024.101286.
- Ren et al. (2023). Blood levels of omega-6 fatty acids and coronary heart disease: a systematic review and metaanalysis of observational epidemiology. Critical reviews in food science and nutrition. PMID 35380474. DOI 10.1080/10408398.2022.2056867.
- Schaefer et al. (2026). Fatty Acid Biomarkers and Incidence of Type 2 diabetes: A Systematic Review and Dose-Response Meta-analysis of Prospective Observational Studies. Advances in nutrition (Bethesda, Md.). PMID 41349638. DOI 10.1016/j.advnut.2025.100565.
- Innes et al. (2018). Omega-6 fatty acids and inflammation. Prostaglandins, leukotrienes, and essential fatty acids. PMID 29610056. DOI 10.1016/j.plefa.2018.03.004.
- von Schacky et al. (2020). Omega-3 index in 2018/19. The Proceedings of the Nutrition Society. PMID 32389149. DOI 10.1017/S0029665120006989.